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06 November 2007

Rauchererauferei in Österreich: Die Nazikeule.

Ich gestehe es ja: ich mag das Rauchen nicht. Schon als Student habe ich unter dem Gestank gelitten und konnte mich mit diesen Abgasen nie anfreunden. Nichtsdestotrotz begleite ich meine FreundInnen in Lokale, die Feinstaubwerte aufweisen, die nicht nur Grüne auf die Palme kraxeln lassen müssten, nähmen letztere ihre eigenen Feinstaubrichtlinien ernst.

Nichtraucher werden heute als lustfeindlich, säuerlich und knausrig bezeichnet. Das ist zwar falsch, aber mit dem kann man leben. Die Nazi-Keule will ich mir jedoch nicht "überbraten" lassen.

Derzeit hetzen nämlich selbsternannte "Raucherbewegungen" gegen rauchfreie Menschen, indem sie diese mit dem "Nichtraucher Hitler", dem Protagonisten der "ärgsten Raucherhatz" usw. usf. gleichsetzen.

Ich glaube, dass Nichtraucher/RaucherInnen politisch links, rechts und mittendrinnen stehen. Sucht ist nun mal irrational und die Freiheit davon unheimlich schön.

Heute kämpfen für die Perpetuierung des Rauchens an öffentlichen Orten nur mehr seltsame Allianzen von ganz links bis extrem rechts: etwa El Awadalla gemeinsam mit Peter Westenthaler, H.C. Strache, Beppo Mauhard und Frau Cote. Wer würde sich da nicht aus Verwunderung am Kopf kratzen?

NichtraucherInnen werden von obgenannten immer wieder als "Nazis" dargestellt. Ergo:

Die rauchenden Nazikeulenschwinger werden von mir hiermit ersucht das Keulenschwingen einzustellen, weiss man doch, dass die bis 1945 SA-eigene Zigarettenmarke "Sturmzigarette" von Herrn Göbbels und Wehrmachtsleuten bis zum bitteren Ende geraucht wurde:

Trommler – Werbeaufsteller für ZigarettenSturm Zigaretten GmbH, Dresden, 1933-1945

Man weiss auch, dass die ATW – "AUSTRIA TABAKWERK A.G. – vormals ÖSTERR. TABAKREGIE" 1940 ein Sammelalbum herausbrachte mit dem Titel:

Austria Tabakregie, "Wie die Ostmark ihre Befreiung erlebte – Adolf Hitler und sein Weg zu Großdeutschland" (Februar 1940)

Die Sammelbilder waren ATW-Zigaretten beigelegt.

Und das stand u.a. auf den ATW-Bildern drauf, die den Zigaretten beigelegt waren:
Bild Nr. 261
Ein endlich judenrein gewordenes
Wiener Haus hißt die weiße Fahne

Das Sammelalbum mit ausführlichem Text ist in jeder Tabaktrafik für Reichsmark 1,– erhältlich

AUSTRIA TABAKWERKE A.G.
VORMALS
ÖSTERR. TABAKREGIE
Das Sammelalbum

Rückseite der Klebebildchen

29 Juni 2007

Antisemitismus wabert weiterhin durch Wien...

Vor mehr als einem Jahr berichtete ich hier vom christlichen Antisemitismus in Wien. Es ist nicht besser geworden. In der Inneren Stadt (1. Bezirk) steht in der Schönlaterngasse Nummer 7 das "Basiliskenhaus". In diesem Haus lebten u.a. bis zu Ihrer Deportation durch die nationalsozialistischen Verbrecher Erwin ABELES, Sissel BERKOVICZ, Pauline EKSTEIN und Alois LÖWY. Die heutigen Bewohner möchten an das traurige Schicksal dieser vier Menschen erinnern und haben daher an der Fassade eine steirnerne Gedenktafel mit folgendem Worlaut angebracht:

ERINNERUNG AN:

ERWIN ABELES
SISSEL BERKOWICZ
PAULINE EKSTEIN
ALOIS LÖWY

DIE BIS ZU IHRER DEPORTATION 1939/1942
IN DIESEM HAUS WOHNTEN

Aber das gift und todeshauch spritzende mittelalterliche Ungeheuer "Basilisk" (s. unten) ist offenbar noch nicht endgültig tot: Denn die Tafel wurde von Antisemiten erst einmal mit Spraydosen verunstaltet, dann mit Säure (man betrachte die denkmalgeschützte Hausfassade rund um die Tafel). Nachdem die Tafel von den Hausbewohnern mit einer Plexiglasscheibe vor den Säure- und Sprüh-Nazis geschützt wurde, zerstörten die Nazis auch die Plexiglasscheibe. Das ist mittlerweile zu 6. Mal "passiert".

Meine Hochachtung gebührt den Hausbewohnern des Basiliskenhauses, die sich von diesen rechtsnationalen Lemuren bzw. Basilisken nicht unterkriegen lassen. Heute ist das Basiliskenhaus für jede und jeden BesucherIn Wiens DAS manifeste Beispiel für den nachwievor lebendigen Antisemitismus hierzulande.

(auf die Bilder klicken, um sie zu vergrößern!)

So sah die Tafel im Mai vorigen Jahres (18. Mai 2006) aus. Rund herum sind die Säure-Attentate an der Fassade erkennbar, aber das Plexiglas schützt die Erinnerungstafel.

Heute (Juni 2007) sieht es dort so aus.

"Basilisk" ist offenbar ein Synonym für den Antisemiten, sei er christlich-konservativ oder nationalsozialistisch motiviert: Der sagenhafte Basilisk ist ein Mischwesen mit dem Oberkörper eines Hahns, auf dem Kopf eine Krone, und dem Unterleib einer Schlange; sein Blick versteinert und sein giftiger Atem ist tödlich.

30 Dezember 2006

Etwas off topic: Berlin

Etwas off topic. Ich war im Dezember wieder in Berlin. Die Stadt hat etwas, das uns WienerInnen gefällt: die Menschen, die die Grätzelmentalität ("Kietz")... daher denke ich mir, dass Berlin ab und und zu auch hierher passt.

Zwar hatte ich ich dort viel zu tun (Broterwerb!), aber einige Stunden konnte ich schon mal opfern, um den Spuren unserer Geschichte nachzugehen. Anbei finden Sie also Bilder vom jüdischen Friedhof am Prenzlauer Berg, der entgegen den Wiener pendants offen zugänglich ist: "Junger Mann, nehmen Sie sich eine Kopfbedeckung!" rief die Portiers-Dame (in Wien war das völlig "wurscht") als ich einfach hineinging... Wien ist anders.

Übrigens: Das erste Bild zeigt einen sogenannten Stolperstein. Auf solchen Steinen wird an die Opfer des Holocaust direkt an ihrer Wohnadresse erinnert, was besonders betroffen macht... besonders wenn wie hier einem kleinem Kind gedacht wird, das gemeinsam mit seinen Eltern ermordet wurde. In Wien gibt es jetzt auch solche Erinnerungssteine (die ersten wurden voriges Jahr im 2. Bezirk verlegt).

Danach finden Sie sich wieder am Ort der Wannsee Konferenz. Dort fand die erste Besprechung der an dem organisierten Mord an den europäischen Juden beteiligten Ministerien und Dienststellen Deutschlands statt. Trocken und bürokratisch. Man kann in dem Raum stehen, die Luft atmen, die Stimmen imaginieren... ein Unort der Geschichte. Die 3 Fenster links unten auf dem letzten Bild sind die Fenster, durch die Heydrich und seine Komplizen am 20. Jänner 1942, Am Großen Wannsee Nr. 56/58, in die kalte Winterluft schauten und – vielleicht noch mit dem Duft allerchristlichster Weihnachtsbäckerei in der Nase – ihre mörderischen Pläne fassten.

(bilder anklicken um sie zu vergrößern!)

10 November 2006

Das Novemberpogrom und die Deportation der Wiener Juden

Am Abend des neunten November, der Nacht des Novemberpogroms ("Reichskristallnacht"), fanden in Wien zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt. Am Abend des 9. November 1938 wurden in alle Wiener Synagogen bis auf diejenige in der Inneren Stadt niedergebrannt und zahlreiche Juden umgebracht, gequält und gedemütigt.

Wien ist außerdem die Stadt, in der Eichmann die ersten Schritte zur Vernichtung der Juden Europas setzte. Von hier aus fuhren auch die ersten Deportationszüge in den Osten ab. Der Bahnhof, an dem die meisten dieser Züge abgefertigt wurden war der kleine Aspangbahnhof, der mittlerweile aufgelassen und dessen Bahnhofsgebäude in den 1970er Jahren abgerissen wurde.

Wer sich mit der Thematik eingehender beschäftigen möchte, sei das ausgezeichnete Buch des Wiener Historikers Hans Safrian, Eichmann und seine Gehilfen, Wien 1993 (auch als Fischer Taschenbuch erschienen) ans Herz gelegt. Ein authentisches Stimmungsbild aus Wien im Jahr 1938 gibt das sehr lesenswerte autobiografische Buch "Herr Moriz Deutschösterreicher - Eine jüdische Erzählung zwischen Assimilation und Exil", herausgegeben von Jürgen Egyptien und erschienen im Verlag Droschl, wo es auch direkt bestellt werden kann.

Anbei – in Erinnerung an die Grausamkeiten des Novemberpogroms und der bald darauf beginnenden Deportationen der Wiener Juden – sehen Sie Bilder vom Aspangbahnhof wie er sich heute darstellt. Wo der Bahnhof stand, ist heute ein Parkplatz, etwas abseits davon ist der "Platz der Opfer der Deportation". Heute erinnern ansonsten nur mehr die umstehenden Häuser, einige Schienenreste, Holzschwellen und Mauerreste als stumme Zeugen an das Grauen jener Zeit.

Die Bilder wurden im Frühjahr 2004 aufgenommen (anklicken um die Bilder zu vergrößern).