Hier sehen Sie einige Ansichten des Maria Theresien Platzes (Kunst- und Naturhistorisches Museum) in der angenehm-warmen Nachmittagssonne:


"Schaffner sei. Des woar amoi wos. Die Zeit is vorbei. Heit foahrt ma schaffnalos." (Josi Prokopetz)


Vor der SPÖ Zentrale herrschte heute auch noch am frühen Abend Stille, nur durchbrochen von raschelndem Papier und und dem Klang von Blech auf Asphalt, der von den leeren Fässern herrührte, die von den Bierführern weggerollt wurden. Die rote Siegesfeier dauerte bis in die frühen Morgenstunden und Kanzler in spe Alfred Gusenbauer konnte gerade einmal 3 Stunden Schlaf genießen wie er dem "Standard" heute anvertraute. Der einzige Sozialdemokrat, den ich heute vor dem SPÖ Hauptquartier erspähte, war "Mister Donauinselfest" Harry Kopietz, der – ein großer, wohlbeleibter Mann mit einer gewissen Tonnage – sein klitzekleines, knallrotes Micro-Car, Marke "Smart", bestieg (na, Grüne: ist doch ein ermutigendes Symbol; ...wenns mit den Wahlkarten noch was wird!).
Das Zelt vor der Zentrale des Wahlverlierers ÖVP war um diese Zeit schon fast vollständig abgebaut. Um 21:30 soll es sich gestern Abend geleert haben. Angeblich spielte die Logistik den Schwarzen einen Streich als schon um 21 Uhr das Freibier zur Neige ging und sich auch kein Spitzenfunktionär – abgesehen von Frau Gehrer – zeigen wollte. Nach Urgenzen trat dann doch der abtretende Kanzler auf und dann war Schluss. Die "Zeit im Bild 2" um 22 Uhr berichtete bereits aus der Lobby der ÖVP-Parteizentrale weil das Zelt schon zugesperrt wurde. Heute am frühen Abend war hier mehr los als in der roten Löwelstraße. "Wann tritt Schüssel zurück" war die Frage, die sich die versammelte Presse stellte, als der ÖVP Vorstand heute Abend tagte (Schüssel und Co. tagen am Foto ganz rechts, hinter den weisslich-grünlichen, undurchsichtig gemachten Fenstern, wo sich der Sitzungssaal befindet). Und dann gibts da noch das Wahlkampflied der ÖVP...
Am Stephansplatz in Wien fand heute das große politische Müllabfuhrtreffen statt. In Wien tragen die BeamtInnen der Magistratsabteilung 48 (MA48 oder kurz 48er) – zuständig für Müllbeseitigung – orange Uniformen. Deshalb herrschte heute Nachmittag am Stephansplatz orange vor.
Odin, das Maskottchen des einsprachig-teutschen Mülls machte einen auf Ehrenschutz und nahm allfällig auftauchende zweisprachige Ortstafeln, Pässe, Verpackungen usw. in Verwahrung.
Dann sprach der orange Unterführer und Abteilungsleiter für die biologische Entsorgung militärischen Mülls einige Worte zu den versammelten orangen Hitzköpfen, die sich vor der Kundgebung offenbar allesamt die seltsame Rune "7+" auf die Stirne tätowieren ließen. Der Bewunderer der nationalsozialistischen Abfallwirtschaft Veit Slugovc folgte den Ausführungen begeistert.
Abschließend richtete der Anführer (und demnächst Liquidator) der politischen Müllmänner einige Abschiedsworte an die orangen Hitzköpfe und dachte dabei in aller Öffentlichkeit an seine ab 2. Oktober gesicherte Zukunft im Taschenbilliard-Wettkampfbüro in Eferding, Edelschrott, Eberndorf, Dobrla Vas, Toronto oder wie immer dieses Dorf heisst, wo das Hauptquartier seines alten bzw. neuen Chefs ist.
In der Zwischenzeit wurde es hektisch für die einfachen Parteimitglieder, die mit der Entsorgung des politischen Mülls kaum mehr nachkamen... Franz (rechts im Bild) ist schon am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Die Verbündeten der orangen Müllmänner, die Österreichische Verluderungspartei (auch ÖVP) bauten derweil auf öffentlichem Grund und Boden mitten in Wien (nicht in Rostock!) von glatzköpfigen Kampfhundeführern bewachte Sperrbezirke auf. Mehr dazu auf Krähwinkel.

SPÖ und ÖVP schicken derzeit Briefe an die WienerInnen aus. Jede und jeder bekommt sie, soferne sie/er im Wählerverzeichnis steht (von da haben die Parteien die Adressen wohl - auf DVR Nummern bzw. einen Hinweis auf die Datenquelle verzichten die Herrschaften nonchalant). Auf den ersten Blick wirkt ein Brief wie der andere. Bei der SPÖ ist es tatsächlich so. Aber es wäre nicht die ÖVP, würde sie nicht auch einen simplen Wahl-Bettelbrief kunstvoll inszenieren, so wie sie den ganzen Wahlkampf wie eine schlechte Schmierenkomödie inszeniert hat: Hinhaltetaktik hinsichtlich des Wahltermines, anti-SPÖ Vorwahlkampf – wir erinnern uns an die gehässigen gelb-roten Gusenbauer-Karikaturen auf Plakaten im Sommer, die seltsame Flöttel-Indiskretionen, die Inszenierung der Sommergespräche bis hin zur Sesselprobe für Herrn Schüssel usw.
Der ÖVP-Brief kursiert nämlich – anders als der der SPÖ – in zwei Versionen: in einer Frauen-Ausgabe und in einer Männer-Ausgabe. Beide bedienen die konservativen Klischees. Hier die Unterschiede:
Frauen-Brief:
"Aber was wäre geschen, wenn wir das Pensionssystem nicht reformiert hätten? Was, wenn wir die Steuern für Familien nicht gesenkt oder die Chancen, die Europa unserer Jugend bietet nicht genutzt hätten?
Höhere Mindestpensionen, bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten oder das Kinderbetreuungsgeld machen Österreich heute zum Vorbild für Europa. Österreich steht heute für ein modernes europäisches Lebensmodell – ein großes Anliegen unserer Außenministerin Ursula Plassnik.
Verlässliche Politik braucht keine leichtfertigen Versprechungen oder unfinanzierbare Forderungen. Und weil ich will, dass Österreich sicher, sozial und leistungsstark [Hervorhebung im Original] bleibt, gibt es klare Schwerpunkte:
Arbeitsplätze: ...
Kinder & Familie: ...
Sicherheit: ...
Entlastung: ..."
[man beachte die Reihenfolge!]
"Aber was wäre geschen, wenn wir zum Beispiel die alte Schuldenpolitik nicht gestoppt oder das Pensionssystem nicht reformiert hätten? Wir haben gut gewirtschaftet und so die Rahmenbedingungen gesetzt, damit die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit sinkt.
Verlässliche Politik braucht keine leichtfertigen Versprechungen oder unfinanzierbare Forderungen. Und weil ich will, dass Österreich sicher, sozial und leistungsstark [Hervorhebung im Original] bleibt, gibt es klare Schwerpunkte:
Sicherheit: ...
Arbeitsplätze: ...
Kinder & Familie: ...
Entlastung: ..."
[man beachte die Reihenfolge!]
So werden Frauen wieder auf Familie, Kinder, Kindererziehung und Mindestpensionen festgelegt, während in der Prioritätenliste des konservativen Mannes Kinder und Familie erst auf Platz 3 weit hinter dem offenbar drängendsten Problem "Sicherheit" rangieren. Frauen werden mit dem vorgeblich "modernen Lebensmodell Österreich" abgespeist, für das die Frau Plassnik stehen soll, während sich der konservative Mann um das knallharte "Wirtschaften", das "Wirtschaftswachstum" und die "Arbeitslosigkeit" kümmert.
Der in Wien für Tanz- und Benimm-Kurse gut bekannte Tanzschullehrer Thomas Schäfer-Elmayer nutzt den Wahlkampf und die offenbare Verwilderung der politischen Sitten innerhalb der konservativen Parteien unseres Landes geschickt für sich und seine durchaus elitäre Tanzschule aus. "Für mehr Stil und Anstand in unserem Land" wirbt er und verballhornt den eh schon verballhornten Opernball-Sager "Alles Walzer" zu "Alles rot-weiss-rot".
So wie jedes Jahr läutete auch heuer das Volksstimmefest der KPÖ den Wiener Spätsommer bzw. Frühherbst ein womit dieser Blog seine Sommerpause beendet! Welcome back!
Neben zahlreichen Initiativen (hier etwa SOS Mitmensch) gab es sogar einen gut besuchten Info-Stand der Wiener Grünen samt Grünzeux-Verkauf in der politischen Straße des Festareals! Immerhin: wir haben am 1. Oktober Wahlen und da wollen wohl auch die Grünen ihre quasi rote Flagge zeigen (wir erinnern uns: der konservative Andreas Khol betrachtet die grüne Spitzenpolitikerin Eva Glawischnigg als "schöne Marxistin").
Natürlich war auch der Spitzenkandidat der KPÖ da und gab dem ORF angeregt Interviews. Mirko Messner – oder sollen wir dem österreichischen Politikerbrauch folgen und ihn als promovierten Slawisten und Germanisten Dr. Messner nennen? – ist Kärntner Slowene und somit der erste Vertreter einer autochtonen Minderheit, der in Österreich als Spitzenkandidat bei einer Nationalratswahl antritt.